matthias möbius
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Nachruf

Nachruf

Seit mehr als sieben Tagen ist sie nun verschwunden. Ich kann es nicht glauben, daß Pauline nicht mehr da ist. Jeden Tag ertappe ich mich mit meinem Wunsch, daß sie plötzlich vor mir steht und mit lautem fordernden Miau daran erinnert, daß es Zeit ist, der kleinen Katzenbande zu essen zu geben. Mein Gefühl ist, daß sie nicht mehr lebt. Und ich wünsche mir, daß ich mich täusche.

Pauline gehört zu den drei Geschwistern, die vor knapp zwei Jahren zu uns auf die Finca kamen und Teil unserer Lebensgemeinschaft sind. Pauline hat mich fast immer begleitet, wenn ich in einen Baum geklettert bin. Klettern brachte ihr Spass und es war als wollte sie sagen „Schau mal, wie hoch es hier noch geht!“ Sie war wesentlich intelligenter als ihre Geschwister und wusste ihre Pfoten geschickt als Werkzeug einzusetzen, z.B. wenn es darum ging, die Reste vom Boden von einem Glas zu „löffeln“. Während Rednose eine immer länger werdende Zunge bekam, wartete Pauline einfach bis ihr Bruder fertig war, setzte sich neben das Glas und holte sich mit der Pfote in aller Ruhe die Leckereien. Manchmal durfte einer ihrer Brüder auch an ihrer Pfote lecken.

Als hervorragende Jägerin brachte sie regelmäßig Beute und gab freiwillig davon ab. Berühren ließ sie sich weniger gerne, was aber sehr stimmungsabhängig war. An manchen Tagen wollte sie auf den Arm und genoß es, über die Finca getragen zu werden.

Wie die anderen Katzen die Situation sehen weiß ich nicht. Zumindest bekomme ich keine klare Antwort. Katerchen der Vagabund konnte mir auf meine Frage zum Verbleib von Paulinchen keine Antwort geben. Vielleicht habe ich ihn aber auch nicht verstanden, denn auch wenn die Katzen hier einige Menschen- und ich einige Katzenlaute verstehe, konnte ich mit dem Schwall von Lauten, die Katerchen auf meine Frage nach dem Verbleib von Pauline zur Antwort gab, nicht viel anfangen.

Katerchen kann durchaus mal für vier Wochen auf Tour gehen und sitzt dann plötzlich und unerwartet mitten auf meinen Stuhl und maunzt mich an, als wäre es nur mal kurz ums Haus geflitzt. Mit Pauline ist das anders, zumindest ist mein Gefühl ein anderes. Und wie gesagt würde ich mir wünschen, dass mein Gefühl mich täuscht.

Gerne möchte ich rufen: „Da bist du ja wieder Pauline!“ Denn Paulinchen fehlt mir und ihre Abwesenheit macht mich traurig. Ihr Leben war immer mit hohen Risiken verbunden. Möglicherweise ist das Risiko diesmal zu hoch gewesen.