Kommunikation ist heutzutage ganz einfach – es gibt WhatsApp! Egal ob mit Privatpersonen, Firmen oder staatlichen Institutionen – alle kommunizieren mit WhatsApp. Es handelt sich hier um einen sogenannten Messenger, also ein Programm zur Kommunikation über Textnachrichten oder Sprache. Programme werden heute Software oder App genannt. Ich schreibe das, weil ich immer wieder erstaunt bin, wie viele Menschen nicht einmal wissen, dass WhatsApp ein Messenger ist. Um z.B. mit unseren Gästen hier auf der Insel zu kommunizieren fragen wir vor der Anreise, ob sie einen Messenger installiert haben. Die Antwort ist oftmals „nein“, denn WhatsApp ist für viele einfach nur WhatsApp, eine Art Alltagsgegenstand.
Ich habe kein WhatsApp.
WhatsApp gehört zu einem Technologiekonzern namens Meta. Zu Meta gehören auch Instagram und Facebook. Uns so einiges mehr. Knapp 3,5 Milliarden (!) Menschen sind täglich über eine oder mehrere dieser Plattformen des Meta-Konzerns in der digitalen Kommunikation aktiv.
Da ich weder Facebook, Instagram noch WhatsApp nutze, darf ich oftmals nicht mehr mitspielen. Denn es ist für viele selbstverständlich, exklusiv über die Plattformen des Meta-Konzerns zu kommunizieren.
Warum spiele ich nicht mit?
Meta ist einer von einer Reihe von Konzernen, die immer mehr und ohne das wir das überhaupt mitbekommen die Kontrolle über unser Leben übernehmen. Es geht um die Kontrolle des Individuums und der Gesellschaft. Man könnte auch sagen, sie übernehmen die Macht.
Macht basiert heutzutage auf Informationen, die über einen Menschen gesammelt werden. Dazu gehört jeder Klick im Internet, jede Recherche zu einem Thema, jeder Kontakt zwischen zwei Individuen. Daraus formt sich ein Bild vom Einzelnen. Und diese Daten sind wertvoll. Abgesehen davon, dass sie eine Handelsware darstellen, geben sie denen, die Zugriff auf sie haben, die Möglichkeit, die Lebensgestaltung des Einzelnen zu beeinflussen. Der einzelne Mensch beginnt zu agieren, wie er im Sinne der Inhaber der Macht agieren soll. Das Individuum wird zur Marionette, die allerdings selber weiterhin meint, sie würde frei entscheiden.
Wer glaubt, hiervon als Nutzer*in des Internets, von Google, Meta, Paypal oder Amazon NICHT betroffen zu sein, irrt. Wer auf den genannten Plattformen aktiv ist, hat keine Chance, der Manipulation zu entgehen. Sollte jemand das für eine Verschwörungstheorie halten, empfehle ich ein Studium der Selbstdarstellungen der Datensammelkonzerne und entsprechende Literatur über die Vorgehensweise und Ziele der Konzerne.
Jetzt argumentieren mache, sie würden ja nur WhatsApp für Nachrichten und Telefonate nutzen, ohne bei Facebook oder Instagram aktiv zu sein. Selbst in diesem Fall – auch „nur WhatsApp“ ist eine sprudelnde Einnahmequelle für den Meta-Konzern. Er weiss wo du dich befindest und von wo nach wo du dich bewegst. Er kennt alle deine Kontakte. Allein daraus lässt sich schon ein individuelles Profil von dir erstellen. Er beobachtet, mit wem du kommunizierst, wie oft und wie lange. Wenn du in irgendwelchen WhatsApp-Gruppen bist, ergänzt das dein Profil. Jemand schickt dir einen Link. Meta beobachtet, ob du auf den Link klickst und falls ja, wie lange du dich auf der verlinkten Webseite aufhältst. Und natürlich ergänzt du die von Meta erstellten Profile von jeder Person, mit der du in Kontakt gehst.
Für manche ist das schwer vorstellbar, denn wir stellen uns bei einer Überwachung immer Menschen vor, die einen beobachten. Hier geht es aber um eine Dimension an Datenverarbeitung, die für ein menschliches Hirn nicht mehr vorstellbar ist. Menschen greifen in diesen Überwachungsmechanismen nur noch ein, um diese totale Kontrolle für eigene Zwecke zu nutzen. Und das sind nach bisherigen Erfahrungen keine Zwecke, die dem Datenlieferanten, also Dir oder mir, in irgendeiner Weise nützlich wären. Es geht eindeutig in eine Richtung, Dich und mich nach den Zielen für uns nicht erkennbarer Machthaber, für ihre Ziele und in ihrem Sinne zu lenken.
Und warum spielen die meisten Menschen bei dieser Enteignung ihrer Restautonomie mit? Das Schlüsselwort heisst
Bequemlichkeit
Eine Nutzung von WhatsApp erschließt für viele die Welt der digitalen Kommunikation, zumal ja auch fast alle anderen WhatsApp auf ihrem (auch Smartphone genannten) mobilen Überwachungsgerät installiert haben.
Was WhatsApp angeht gibt es zum Glück alternative Messenger wie Telegram, Signal oder Threema. Was diese mit meinen Daten machen, weiss ich zwar auch nicht, aber immerhin sind sie nicht in eine Konzernstruktur eingebunden, wie ich sie bei Meta vorfinde.
Wer etwas dafür tun möchte, dass der der Mensch nicht mehr und mehr Teil der Maschine wird, hat mit dem Verzicht auf Meta die Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten.
(Diesen Text habe ich schon vor etwa einem Jahr geschrieben und veröffentliche ihn jetzt endlich, nachdem ich immer wieder gefragt werde, wieso ich mir denn kein WhatsApp installieren würde …)
